Vereinsgeschichte
An einem Spätsommer-Nachmittag, auf einer Lauerwiese vor den Toren Münnerstadts. Ein junger Mann schwingt einen über zwei Meter langen Stecken mit einem Rundholz am Ende wie eine Keule über seine Schultern. Plötzlich zieht er mit uriger Wucht voll durch und katapultiert eine kleine Hartplastikscheibe von einer Abschußrampe in die Wiese.
"Über 200 Meter", konstatiert der "Schläger" hocherfreut - eine kleine Zuschauermenge ist begeistert. Ein Bauer, der seinem Tagwerk nachgeht, fragt neugierig, was da denn vor sich geht: Hornussen bekommt er zur Antwort.
Der Landmann mag wohl gegrübelt haben, ob es sich um ein neues Schimpfwort handelt, doch dahinter verbirgt sich in Wahrheit die Faszination einer original Schweizer Sportart die in Münnerstadt in einem kleinen Kreis von Enthusiasten Fuß gefaßt hat. Das war 1991, als sich die erste Hornussergesellschaft außerhalb der Schweiz in Münnerstadt/Unterfranken gegründet hat.
Vorstand
Vorstand der ersten
Stunde

Die Gründung der Münnerstädter Hornussergesellschaft ist dem mittlerweile verstorbenen Michael Bogner zu verdanken. Aus erster Neugierde - er hat von diesem Sport im Fernsehen erfahren - entwickelte sich ein erster Briefkontakt zur Schweizer Botschaft und schließlich zum Eidgenössischen Hornusserverband. Der Besuch des größten Hornusser-Wettkampfes in der Schweiz ermöglichte erste Kontakte zu Hornussergesellschaften, wodurch die Münnerstädter Hornusserfreunde erstmals an Gerätschaften kamen.

Doch was ist Hornussen? Benötigt wird zunächst eine große, freie Fläche. Ideal sind Wiesen oder Äcker mit einer Mindestlänge von 350 und einer Breite von 50 Metern. Im Fachjargon nennt man das Spielfeld Ries. Weiter benötigt man eine Abschlagvorrichtung aus Metallschienen, in Hornusserkreisen "Bock" genannt. Darauf wird das Utensil mit Lehm montiert, der dem Sport seinen Namen gab - der Hornuss. Hierbei handelt es sich um eine kleine Hartplastikscheibe, die der Schläger mit dem Glasfiberstab , auf den ein Rundholz (Träf) geschraubt ist, in das Ries katapultiert.
Erste Versuche
Erste Versuche
Je weiter er den Hornuss in das Ries des Gegners befördert, desto mehr Punkte bekommt sein Team. In einer Entfernung ab 100 Metern stehen jedoch 18 gegnerische Spieler, und versuchen das Geschoß (bis zu 330 km/h Anfangsgeschwindigkeit) mit großflächigen Schindeln abzuwehren. Der echte Hornusser nennt dies "abtun".
Die eigene Schlagleistung, die nach Weitenmetern in Punkte umgerechnet wird, nützt einem Team jedoch wenig, wenn der gegnerische Hornuss im Ries landet, ohne daß er abgetan wird. Dann nämlich erhält die Mannschaft eine "Nummer", die sie bei Punktgleichstand hoffnungslos aus dem Rennen wirft.
Die Hornussergesellschaft Münnerstadt wurde 1991 gegründet und hat mittlerweile über 100 Mitglieder. Präsident ist Matthias Wießner.
Rund ein Jahr nach der Gründung des Vereins wurde das erste Wettspiel außerhalb der Schweiz ausgetragen. 1993 folgte dann der erste Höhepunkt in der jungen Vereinsgeschichte. Zehn Schweizer Mannschaften aus verschiedenen Kantonen nahmen am Gründungshornussen in Münnerstadt teil. Über 250 Eidgenossen bevölkerten über zwei Tage das Lauerstädtchen. Für die Münnerstädter ging damals ein Traum in Erfüllung, an den man bei der Gründung nicht zu denken gewagt hatte.
erste Fortschritte
Erste Fortschritte
Höhepunkt des Festes war das Turnier mit den zehn Teams, die den vielen Gästen vor laufenden Kameras Hornussen vom Feinsten präsentierten. Wie sagte doch damals Günter Jauch im "Aktuellen Sportstudio"? "Kennen Sie Hornussen, Frau Novotna? Wenn nicht, schauen Sie es sich an, Sie werden anschließend Ihren Schläger wegwerfen." Mittlerweile gehört Hornussen zum festen Sportangebot in Münnerstadt. Fahrten zu Spielen in die Schweiz oder Besuche Schweizer Mannschaft sind nichts Besonderes mehr. Über zehn sportliche Wettkämpfe werden pro Jahr durchgeführt. Hinzu kommt die Deutsche Gruppenmeisterschaft mit Großrinderfeld bei Würzburg, nach Münnerstadt die zweite Hornussergesellschaft in Deutschland, die sich jedoch erst später gegründet hat.
Sportlich haben sich die Münnerstädter in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, was nicht zuletzt ein Erfolg der Junghornusser ist, die durch ihre Leistungen auch im Mutterland dieser Sportart für Furore sorgen. So staunten anfangs die Schweizer nicht schlecht, als bei einem Turnier bei den Eidgenossen die Münnerstädter Junghornusser die Pokale abräumten.
Vom 17. bis 20. Juli 1998 folgt der zweite Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte. An diesem Wochenende veranstalteten die Münnerstädter ihr zweites großes Turnier. Eingeladen waren 16 Schweizer Teams aus den verschiedenen Kantonen. Erstmals nahm auch eine Mannschaft aus der französischsprechenden Schweiz teil, die sich ob des großen Anfahrtsweges gleich nach dem nächsten Flugplatz erkundigte. Rund 500 Hornusser wurden an dem Juli-Wochenende in Münnerstadt erwartet, die am Samstag und Sonntag auf vier Spielfeldern ein Turnier spielten.